Ich weiß jetzt, wie ich mich hier benehmen darf

„Nimm den Ellenbogen beim Niesen und Husten vor den Mund“ ist eine der Regel, die bei mir maximal das Kopfschütteln auslösen. Abgesehen von der anstrengenden Überspannung im Nackenbereich, verteile ich meinen Rotz lieber auf Tempotaschentücher, statt auf die Bekleidung. Zu dieser gesellen sich jetzt 101 weitere Regeln, die von dem Creation Center der Telekom Laboratories erarbeitet wurden.

Die Rede ist von der „eEtiquette“, einer Art Knigge für das digitale Zeitalter. Darunter befinden sich so nützliche Tipps wie zum Beispiel: „Nur R2D2 darf eine Beziehung digital beenden“, „Entschuldige Dich immer für eine verspätete Antwort“ und „Starre nicht auf fremde Bildschirme. Verhalte Dich wie an einem FKK-Strand: Persönliches geht Dich hier nichts an.“. Ich will mir an der Stelle nicht weiter vorstellen, wohin die Mitarbeiter des Magentariesen am FKK-Strand hinstarren und auch nicht, welche Körperteile sie als persönlich definieren.

Abgesehen davon, dass ich die meisten dieser Regel für sinnfrei und überflüssig halte, des Weiteren ich mir nicht vorschreiben lasse, in welcher Form ich meine Scheidung einleite (nein, beruhigt Euch, ist nur ein Beispiel), fiel mir ein weiterer unschöner Aspekt auf. Die Macher der Seite behaupten:

Bei der Seite handelt es sich um ein Dialogangebot der Deutschen Telekom, in dem ein Austausch von Meinungen und Informationen stattfinden soll.

Man kann also über die Leitlinien Diskutieren, um deren Entwicklung voranzutreiben. Auch das Einreichen neuer Regeln wird über die Seite Ermöglicht. Das erweckt zunächst den Anschein, dass hier ein Angebot für und von allen Nutzern entstehen soll. Bei derartigem Vorhaben hätte ich eine freie Lizenzierung erwartet, „Gemeinsam erarbeitet, gemeinsam genutzt.“ wäre meine Regel bezüglich des Konzeptes. Stattdessen behält sich die Telekom in mehrseitigen Nutzungsbedienungen sämtliche Rechte vor.

Trotz der Überschrift dieses Beitrags, werde ich das Netz so nutzen wie bisher und auch beim Niesen wird sich bei mir nichts ändern.

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geschrieben am 16. Juli 2010 – 07:00 Uhr von Norbert Hayduk.
Veröffentlicht in Allgemein
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4 Kommentare

  1. bkodenkt

    Geschrieben am 16. Juli 2010 um 11:04 Uhr| Permalink

    Ich teile viele deiner Einschätzungen und möchte auch aufparallelen zu einem kürzlich auf Hubspot veröffentlichten Beitrag hinweisen:

    In http://blog.hubspot.com/blog/tabid/6307/bid/6156/Why-a-Social-Media-Policy-is-Stupid.aspx?source=BlogTwitter_Why%20a%20Social%20Media%20P wird die Einrichtung einer Social Media Policy als Blödsinn abgetan.

    Hier muss ich allerdings anmerken: Wo Strukturen verkrustet sind und bereits das “normale” Kommunizieren an Grenzen stößt, sind leider auch Verhaltensregeln und Policies notwendig, da die Beteiligten oft keinerlei Ahnung von “normalem” Verhalten im Netz oder gar im Web 2.0 haben.

  2. Geschrieben am 16. Juli 2010 um 11:14 Uhr| Permalink

    Danke für den Tipp, kannte ich noch nicht.

    Ich sehe Kommunikation nicht als medienspezifisch. Ich würde genauso mich mit Dir persönlich unterhalten, wie ich das hier in den Kommentaren mache. Uns was ich preisgebe und was nicht, ist keine Sache von Regeln, sondern meine Entscheidung.

  3. bkodenkt

    Geschrieben am 16. Juli 2010 um 16:13 Uhr| Permalink

    Ja, für unsere Generation ist das eine Selbstverständlichkeit. Es gibt bei entsprechender Medienkompetenz keine wirkliche Trennung von Verhalten online und offline. Ich denke auch: Wo Digital Natives (oder Menschen, die diesem Status sehr nahe kommen) in großer Zahl beisammen sind, müssen Policies und Verhaltensregeln nicht explizit vorgebetet werden.

    Leider sind dort, wo die Strukturen verkrustet sind, die digitalen Eingeborenen und mit hoher Medienkompetenz gesegnete Mitmenschen noch arg in der Minderheit. Ohne Policy oder guten Tipps wäre man “dort” völlig überfordert….

  4. Geschrieben am 16. Juli 2010 um 16:35 Uhr| Permalink

    Wenn Du das Ganze als Tipps definierst, dann kann ich Dir nur zustimmen. Für den Anfang paar Sachen festzulegen, kann natürlich helfen, den eigenen Weg zu finden. Immer aber mit der Voraussetzung zu reifen, um sich davon zu lösen. Sonst bekommt das Medium einen faden Beigeschmack. Da wird keine Kommunikation mehr betrieben, sondern Selbstdarstellung in einem vorgegebenen Rahmen und das wäre nicht ehrlich.

    Ich sehe das vielleicht zu idealistisch, aber ich will meine Meinung sagen können. Dabei will ich mich nicht mit Kritik profilieren (ich weiß, dass es das auch gibt), aber auch nicht immer darüber nachdenken, ob ich die Hand beisse, die mich futtert.

    Konstruktiver Austausch bringt doch allen Beteiligten nur Vorteile? Kontrollverlust tut natürlich immer Weh, aber wenn es zugunsten der langfristigen Imagepflege aufgegeben wird, kann er sich zu einer positiven Erfahrung entwickeln?

    Ich habe wieder nur Fragen und keine Antworten ;)

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