Wieviel Bildbearbeitung braucht die Kunst?

Diese Frage wird immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen gestellt. Für die Hardliner ist jegliches Eingreifen in die Abbildung eine Fälschung, die anderen halten es für eine Aufwertung des Motivs. Mir ist sie vor meinem geistigen Auge erschienen, als ich der Artikel von Martin „Schönheit, Ein Definitionsversuch.“ las. Martin gibt dort ein Beispiel wieder:

(…) Ich hab in den letzten Wochen meine 1. Polaroids gemacht, ich selber empfinde es als sehr stylisch und schon ein wenig retro. Dann zeig ich es meinem Bekannten der meinte dann: Was willst du mit solchen unscharfen komischen Bildern? (…)

Gleichzeitig fragt er sich, ob Mainstream eine Abbildung des Schönen ist, oder genau das Gegenteil der Fall wäre. Sehr gut geschrieben und eine Leseempfehlung von mir an euch. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht seinen Artikel wiedergeben, sondern mir Gedanken darüber machen, ob Bilder an Qualität durch eine professionelle Bearbeitung gewinnen.

Das von mir oben gewählte Beispiel ist ein Bild, dass schon recht alt ist. Inzwischen mache ich solche Bilder nicht mehr, die ganze Sparte hat für mich ihren Reiz verloren. Derartige Stimmungen kann man recht schnell in der Nachbearbeitung erzeugen und die Porträts von beliebigen Menschen in eine gewollte Ecke stellen. Der einzige Unterschied lege hier daran, dass ich für mein Bild keine Bildbearbeitung bemüht habe. Der Hintergrund ist echt, das Gesicht von Susanne ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Chefmaskenbildner des Theater Bremen und das Licht gab eine Studioblitzanlage her.

Das Ergebnis erinnert mich aber inzwischen eher an Arbeiten verschiedener Zeitschriftenfotografen, weswegen diese Bilder niemand mehr zu sehen bekommt. Ich arbeite nicht mit Bildbearbeitungssoftware. Was die Kamera festgehalten hat, durchläuft noch einen RAW-Entwickler und entweder bin ich damit zufrieden, oder es wird gelöscht. Ich kann nicht ausschliessen, dass es Anwendungen gibt die es rechtfertigen. Das ist allerdings für mich keine Fotografie mehr, sondern wahlweise Animation, Zeichnung, oder Collage. Erschwerend kommt noch dazu, dass sich in der Regel Menschen, die mit der Bildbearbeitung ihre Werke schaffen, sich so sehr auf den Bildinhalt konzentrieren, dass sie dessen Aussage komplett aus den Augen verlieren.

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geschrieben am 17. Januar 2010 – 18:18 Uhr von Norbert Hayduk.
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Ein Trackback

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Norbert Hayduk, Ben Utzer erwähnt. Ben Utzer sagte: Schön! :D RT @norbert_hayduk Bildbearbeitung. Im Moment nicht, danke: http://bit.ly/6JjZrf [...]

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