Socialbar Bremen Erfahrungsbericht

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Beim SocialCamp in Berlin wurde ich mehrfach darauf angesprochen, die aus der Organisation der Socialbar gewonnenen Erkenntnisse zu verschriftlichen. Das möchte ich hiermit auch tun und hoffe dabei, dass andere aus unseren Erfahrungen in irgendeiner Form profitieren können. Die Socialbar Bremen ist sehr gut angelaufen. Circa 70 Menschen versammelten sich am 1. Oktober 2009 in dem Raum des alten Fundamtes. Ein Erfolg, das bei weitem unsere Erfahrungen übertroffen hat. Es ist im Nachhinein sehr schwer festzustellen, was dazu geführt hat, ich möchte mich hier also mehr auf die Beschreibungen der Aktivitäten und der konzeptionellen Überlegungen beschränken.

Ein gewisses Kopfzerbrechen hat uns die Schärfung der Zielgruppe bereitet. Auf der einen Seite das schwer definierbare Web 2.0, auf der anderen die soggenannten NGOs (Claas hat während unserer Gespräche die Bezeichnung „zivilgesellschaftliche Akteure“ als Ansatz gewählt) die nicht nur eine gewisse Randunschärfe, sondern zugleich lokal variierende Systematik aufweisen. Da es uns in den ersten Diskussionen sehr schnell klar wurde, dass wir weder eine Konkurrenzveranstaltung zu den schon bestehenden sein wollen, noch Gruppen ausgrenzen möchten, haben wir uns auf eine sehr offene Auslegung beider Begriffe geeinigt. Im Vordergrund stand dabei Menschen zusammenzubringen, die durch ungewöhnliche Zusammenwürfelung eine kritische Masse erreichen, die ihrerseits einen kreativen und ungewöhnlichen Schaffungsprozess, ähnlich einer Kettenreaktion freisetzt.

Wenn man kein Faxgerät hat (so wie ich), weiß man nicht, warum man nicht ohne Faxgerät leben kann. Wenn man kein Mobiltelefon hat, weiß man nicht, warum man nicht ohne SMS leben kann. Was weiß man jedoch nicht, wenn man kein MySpace-Account hat? Ich weiß es leider nicht (mehr). Dieses Wissen ist nicht mehr immanent in mir vorhanden und damit fehlt mir im ersten Moment die Argumentationsstrategie gegenüber Menschen, die an diesem Event auch partizipieren sollten. In der Zwischenzeit wurde uns nämlich klar, dass wir nicht nur mit den großen Organisationen, die sich eh das Know How direkt von den Unis holen zu tun haben, sondern mit breitgefächertem Spektrum, auch an Klein- und Kleinst-NGOs, die in verschiedenen Rechtsformen und Dachverbänden organisiert sind.

Zurück zu den Wurzeln also. Denken, dass man einfach denkt und das als komplex einstufen. Natürlich ist es nicht schwierig, die Inputgeber für sich zu gewinnen, sie bekommen durch Ihre exponierte Stellung einen Motivationsschub. Wie baut man aber Schwellen ab bei Menschen, die fürchten, als dumm abgestempelt zu werden? An dieser Stelle konnte ich zum Glück an viele Jahre Erfahrung im Bereich der (Medien-)Erwachsenenbildung blicken. Strategien, Menschen etwas schmackhaft zu machen, wofür sie sich zwar interessieren, es aber nicht nutzen, habe ich während der Zeit genug entwickelt. Aber auch Gespräche mit aktiven Teilnehmern der Fördererseite, die die Szene seit Jahren beobachten und aktiv am Geschehen teilnehmen bestätigten uns darin, in erster Linie auf Schwellenabbau zu setzen.

Damit ging die Arbeit erst richtig los. Texte überarbeiten, vereinfachen, kürzen, vermenschlichen. Es gab ja etwas anderes vor Twitter, ach ja einen Brief! Wir hatten doch noch irgendwo doch einen Drucker stehen und Papier müsste doch auch noch irgendwo eingelagert liegen… Das beige Gerät mit den Tasten, das die Reinigungskraft liebevoll jeden Freitag morgen entstaubt, diente doch auch irgendwann der Kommunikation…. Dann kam auch noch die revolutionärste Idee, seit der Erfindung des Rades: Stimmbänder hat man von Geburt an und sie zu benutzen gelernt. Die etablierten Printmedien zu belästigen, kann ja auch nicht schaden.

Das Ergebnis war erfreulich. Wir haben einen spannenden Abend erlebt. Die anfangs reservierten Menschen trafen aufeinander und lernten sich kennen. Die Einen stellten fest, dass die Anderen nicht so schlimm sind und die Ersten, dass die folgenden auch die Nächsten sind.

Zuletzt, aber während der ganzen Schreibarbeit daran denkend, möchte ich mich bedanken. Meinen Mitstreiter und perfekten Gegenpol Claas kann ich nicht genug loben. Der Sponsor construktiv, der recht schnell an uns geglaubt hat. Jetzt wähle ich die alphabetische Reihenfolge, denn Gewichten kann ich das nicht mehr. Ich bin sehr froh über die Unterstützung von Barbara, Flix, Hermann, Lars, Maren, Martin, Torsten, Rebecca, Ulrike. Nur bei einer Frau möchte ich mich nicht bedanken, weil ich Susanne eher eine Entschuldigung schuldig bin. Klar, ich war ekelig zu Dir an diesem Abend, ich hatte aber viel um die Ohren.

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6 Gedanken zu „Socialbar Bremen Erfahrungsbericht“

  1. hi norbert, lars und susanne und alle. schade, dass wir nicht konnten, wegen LiebHBeN und dem Freelancecamp 2009 / 17. +18.10.2009, aber das nächste Mal sind wir da. AAA goes ZZZ. lieb grüß, daniel
    danke für das schrubben. wir planen ein AufAuf treffen. ciao

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